... naja, nicht so ganz - wir waren ja "nur" zu Besuch auf einer Farm in Afrika, aber es war wirklich sehr schön und unvergesslich. Daher bekommen nun alle, die wahrscheinlich neugierig sind, einen kleinen Bericht mit Fotos.
Nach neuneinhalb Stunden Flug landen wir auf dem Internationalen Flughafen (hm, naja, :-) kleine Halle, 1 Gepäckband...) in Windhoek. Mit dem VW-Bus geht es zwei Stunden über endlos lange Straßen durch die karge, aber beeindruckende Buschsavanne Namibias. Die ersten Eindrücke: gewöhnungsbedürftiger Linksverkehr, neugierige Paviane, Warzenschweine und viele, bis zu drei Meter hohe Termitenhügel am Rande der Straße. Schließlich folgt noch eine halbe Stunde holpriger Schotter/Sandweg, dann stehen wir endlich vor dem Tor der Farm: OKOMITUNDU (www.okomitundu.com). Das ist Damara Otjiherero (eine von vielen namibischen Sprachen) und bedeutet: Dort, wo die vielen Termitenhügel stehen.
Im Vergleich zu der kargen Landschaft, die wir bisher gesehen haben, ist Okomitundu ein kleines grünes und blühendes Paradies. Ein herrschaftliches altes Farmhaus, acht kleine Bungalows mit großzügigen, komfortablen und afrikanisch anmutenden Doppelzimmern mit Bad und Balkon, Wirtschaftsgebäude, eine Pferdekoppel mit zwölf Pferden, ein großes Gehege, in dem vier Sträuße mit zwei Oryx-Antilopen friedlich zusammen leben, große Käfige mit Papageien, Erdhörnchen und Riesen-Schildkröten. Sieben Hunde, die Farmmanager mit Familie (alle total nett, wie sich in den nächsten zwei Wochen herausstellt) und Tausende von um uns herum flatternden Schmetterlingen begrüßen uns. Die Farmerin und die Angestellten haben bereits ein leichtes und köstliches Mittagessen im Schatten vorbereitet.
Überhaupt, das Essen - mmmmm: reichhaltiges Frühstück mit Eiern und Speck auf Wunsch, Kaffee, Tee, Säften, selbstgebackenem Brot und selbst gerührter Qumquat- und Kaktusfeigenmarmelade, leichtes, meist kaltes Mittagessen, 5-Uhr-Tee (eigentlich eher very british) mit den köstlichsten Kuchen und romantisches Abendessen unter freiem Himmel am Grill, mit Kaktusfeigensaft und südafrikanischem Rotwein, zartem Antilopen- oder Straußenfleisch (dem nur unsere Vegetarier-Tochter widerstehen kann), Salat, Gemüse (viel Kürbis und Mais) sowie "Hüftgold"-Nachspeisen als Highlight.
Für eine Woche kocht Hans für uns, ein spargeldünner, supersympathischer, paraglidingspringender Koch aus dem namibischen Seeort Swakopmund. Witzig:
Er spricht mit einem ausgeprägten österreichischen Akzent, denn er stammt aus Tirol.
Unsere Tage sind aufregend und entspannend zugleich, 35 bis 39 Grad heiß, aber wegen der geringen Luftfeuchtigkeit von nur 20-30 Prozent und Wind seeeehr gut auszuhalten. Das fremdartige und tierisch laute Rufen der Perlhühner weckt uns meist gegen acht Uhr nach einer angenehmen, weil relativ kühlen Nacht. Raus aus dem Bett, ab in den erfrischenden Pool, danach auf die Farmhaus-Terrasse zum gemeinsamen Frühstück. Am Vormittag haben wir meist ein kleines Programm vor, zu Fuß, per Jeep, zweimal auch per Cessna. Die 18.000 Hektar (!) riesige Buschsavannen-Farmlandschaft ist faszinierend, wir sehen jede Menge Oryx- und Kudku-Antilopen, Spring- und Steinböcke, Zebras, Paviane, Schakale, Klippdachse und viele fremde Vogelarten. Außerdem: Jeepfahren macht super viel Spaß! Diese robusten Autos kommen wirklich überall durch, steile Felswege, hohe Büsche mitten auf dem Weg oder tiefe Schlaglöcher ignorieren sie schlicht und einfach. An einem Tag fliegen wir mit einer winzigen, sechssitzigen Cessna aus den 70er Jahren (ein bisschen schwummrig war mir schon!) über die unendlich scheinende Namib-Sand-Wüste und den beeindruckenden Namib- Canyon nach Swakopmund am atlantischen Ozean. Auf diesem Flug muss ich an die schöne Aufnahme mit Tania Blixen und Dennis Finch Hutton im Flugzeug aus "Jenseits von Afrika" denken... An anderen Tagen besuchen wir die Nachbarfarm Kansimba, auf der wir sehr viele Wasserböcke beobachten können, fahren zum sehenswerten Holzmarkt in Okahandja und wandern - gut geschützt mit LSF 25 und breitkrempigem Hut - durch die namibische Buschsavanne. Schlangen, Skorpionen und Leoparden, die auch hier leben, sind wir zum Glück nicht begegnet! Nach dem Mittagessen werden die Augen aller immer ganz klein und darum heißt es täglich: Siesta. Herrlich! Schlafen bis mindestens 15 Uhr. Danach lesen, schwimmen, klönen, Fotos machen, reiten... Die Farmpferde sind zwar nicht ganz einfach, weil sie nicht oft geritten werden - aber es klappt.
Ein besonderes Erlebnis ist auch unsere Übernachtung auf dem 1600 Meter hohen und ebenfalls zum Farmgebiet gehörenden KudubergKuduspitze. Allein der Ausblick vom Gipfel dieses Berges ist atemberaubend. Wir sind das erste Mal an Heiligabend oben und ich muss dauernd denken: So muss es damals ausgesehen haben, das heilige gelobte Land. Berge, Täler und Hochebenen, soweit das Auge reicht. Nach dem Dunkelwerden Gegrilltes und afrikanische Lieder mit Gitarre am Lagerfeuer. Richtig romantisch. Besonders der Sternenhimmel. So viele habe ich noch nie in meinem Leben gesehen! Meine einzige Sorge in dieser Nacht: Hoffentlich werden die Leoparden nicht neugierig und besuchen uns. Zum Glück sind sie zu feige.
Die Bescherung für die Farmangestellten findet hier immer am Heiligabend mittags statt. Auch in diesem Jahr bekommen sie Kleidung und Schuhe, eine Melone, Kartoffeln, Maismehl, Zucker, Waschpulver, einen Kürbis, künstliche Haare zum Einflechten und - für alle zusammen - eine frisch geschossene Oryx- Antilope. Zum Dank singen die 18 süßen namibischen Kinder "Ihr Kinderlein kommet" auf Damara. Herrlich!!
Silvester feiern wir wider Erwarten deutsch, fast deutscher als zuhause. Alle Farmer der Umgebung treffen sich zum Jahreswechsel in ihrem kleinen Farmervereins-Haus, in dem es geschmückt ist wie zum Schützenfest in meinem norddeutschen Pennigbüttel. Heino, Roberto Blanko und die Bläck Föös schallen aus dem kleinen Kassetten- Rekorder, es gibt ein kaltes Buffett, viel ebenso kaltes Bier und wir tanzen natürlich. Sogar unsere Silvester-Tradition, unseren Kaiserwalzer bekommen wir! Und das Jahr 2004 begrüßen wir hier eine Stunde früher als in Deutschland!
Dieses Land mit seinen supernetten Menschen und fremden Tieren, seinen wunderschönen Sonnenuntergängen, der unendlich weiten Landschaft und dem himmelhohen Himmel (jetzt weiß ich endlich, wo das Wort her kommt: bestimmt aus Afrika!) hat uns außerordentlich beeindruckt.
An unserem letzten Tag gibt es noch eine große Freude für die Farmer: Es regnet! Zwar nur in kurzen Schauern und nicht so heftig, aber alle sind superglücklich und freuen sich über die kleinste Pfütze! Mir persönlich wird am meisten in der Nase und im Gedächtnis haften bleiben, wie die braune namibische Erde duftet, wenn es darauf regnet. Ein ganz ungewöhnlicher und würziger Geruch ist das.
Der Abschied von Okomitundu, Namibia, Afrika fällt uns allen sehr schwer und wir hoffen, keinen dieser faszinierenden Eindrücke im verregneten und grauen Januar in Deutschland zu vergessen. In diesem Sinne:
Hambalikale, n'kosi simbajale.
Geht hin in Frieden, den Weg, den Ihr gekommen....
(Das war Damara! :-))